Ausbildung erfolgreich abgeschlossen

Die zertifizierten Schulwanderführer der Heimat- und Wanderakademie Baden-Württemberg, Stefan Österle, Margit Elgner-Eisenmann, Regine Seiler (DWJ Bayern) und Tilman von Kutzleben

Ihre Ausbildung zum „Fortbildungsleiter Schulwandern“ haben Anfang Oktober 20 Personen aus acht Bundesländern erfolgreich abgeschlossen. Darunter eine Wanderführerin und zwei Wanderführer von Schwarzwald- bzw. Schwäbischem Albverein, Margit Elgner-Eisenmann, Stefan Österle und Tilman von Kutzleben.

Die frisch gebackenen Fortbildungsleiter bieten ab dem Jahr 2013 regionale Fortbildungen zum Thema „Schulwandern und Bildung für nachhaltige Entwicklung“ an. Diese dreitägigen Veranstaltungen unter dem Oberthema „biologische Vielfalt und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ richten sich an Lehrer und andere Interessierte, die Schulwanderungen zielgruppengerecht anbieten wollen. Die Teilnehmer lernen, welche Routen und Inhalte für Schulwanderungen sinnvoll sind, welche rechtlichen Rahmenbedingungen es gibt und wie Schüler an der Vorbereitung einer Schulwanderung zu beteiligen sind. Am Ende der Fortbildung sind die Teilnehmer zertifizierte Schulwanderführer.

Da die Bundesländer jeweils unterschiedliche Regelungen in Bezug auf Schulwanderungen anwenden, wurden Fortbildungsleiter für die einzelnen Bundesländer ausgebildet. Dieses Vorgehen haben die Kultuseinrichtungen der Länder ausdrücklich begrüßt. Auch die Teilnehmer der Fortbildungen profitierten von den spezifischen Ausbildungsinhalten.

Für die angehenden Fortbildungsleiter erwies es sich zudem als praktisch, dass mit dem so genannten Blended Learning eine Lernform zum Einsatz kam, die Präsenzveranstaltungen mit elektronischen Lernformen am heimischen Schreibtisch verbindet. Projektkoordinatorin Gabi Diethers: „So musste die Gruppe nur zweimal zu insgesamt acht Fortbildungstagen auf den Dörnberg in der Nähe von Kassel reisen. Zwischen diesen beiden Terminen wurden in den E-Learning-Phasen verschiedene Themen vertieft.“

Der Beirat Schulwandern hat das Projekt maßgeblich unterstützt und als Ideen- und Feedbackgeber gewirkt. Mit dem Ende der Fortbildungen ist seine Arbeit offiziell beendet. Dennoch wollen die Experten das Projekt auch künftig mit Rat und Tat unterstützen.

Dem Beirat Schulwandern gehörten Vertreter der Wanderakademien des Deutschen Wanderverbands, der Universität Mainz, der Sportkommission der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), des Deutschen Jugendherbergswerk (DJH), der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umweltbildung (ANU), der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (Außenstelle Schulaufsicht Koblenz), des Bundesweiten Arbeitskreises der staatlich getragenen Umweltbildungsstätten (BANU), der Alfred-Toepfer-Akademie für Naturschutz, der Deutschen Wanderjugend (DWJ), der Waldpädagogin Rosemarie Gögler sowie dem Projektteam „Schulwandern“ des DWV.

Gefördert wurde die Ausbildung der Fortbildungsleiter durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). Das Ausbildungssystem zum Schulwandern des Deutschen Wanderverbandes (DWV) ist von den Vereinten Nationen als „Offizielle Maßnahme der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet worden.

Seminar Schulwandern 2012 auf dem Eschelhof

Leitung: Margit Elgner-Eisenmann, Bernd Magenau, Stefan Österle

Teilnehmende: Lehrkräfte von Grund-, Berufs- und Sonderschulen, eine Schulleiterin GHS, sowie eine zert. Wanderführerin

Prolog

Es läuft, es geht, in vielen Dingen bin ich bewandert. „Ich bin der Meinung, dass alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge.“ (Johann Gottfried Seume 1763 – 1810) Die Sprache bringt zum Ausdruck, was jeder Wanderer erlebt. Wandern ist Wandlung, der Wanderer verändert seinen Standort, er sieht seine Umwelt aus verschiedenen Blickwinkeln und erwandert sich Weitblick. Ein Weitblick, der im Alltag oft abhanden kommt.
Es ist kein Zufall, dass Persönlichkeiten wie Jesus von Nazareth, Goethe, Martin Heidegger, Hesse, Carl Carstens, Angela Merkel, Winfried Kretschmann und nicht zuletzt der österreichische Theaterautor Thomas Bernhard Wanderer waren und sind. Letzterer formulierte: „ Wir müssen gehen, um denken zu können.“
Abgesehen von der metaphysischen Wirkung des Wanderns, der zweckfreien Bewegung in der Natur, bietet diese Tätigkeit, die das Gehirn mit Sauerstoff versorgt, es sonst durch den geübten Bewegungsablauf aber nicht weiter belastet, Raum für geistige Aktivität. Geographie, Biologie, Gemeinschaftskunde, Religionswissenschaften und Mathematik betreibt der Wanderer auf Schritt und Tritt fast wie von selbst. Der Wanderer lernt seinen Körper, seine Ausdauer und Leistungsfähigkeit kennen und begegnet seiner Umgebung als Partner. Der Wanderer interessiert sich für die Schönheit der Welt und für ihre Erhaltung. Er interessiert sich für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur und weiß, dass dieses Interesse bei jedem Menschen und vor allem bei den Kindern am Leben gehalten werden sollte. Bildung für nachhaltige Entwicklung ist für den Wanderer selbstverständlich.

Nachfolgend ein paar Highlights vom Kurswochenende:

Einführung Karte und Kompass und Kurzwanderung mit Einsatz von GPS-Geräten (Bernd Magenau)
Anhand der digitalen Karte werden Sinn und Funktion der Karte erklärt. Kompasse werden verteilt und erklärt. Auf der Karte Maßstab 1:35 000 rund um den Eschelhof werden Richtungswinkel zu verschiedenen Zielen gemessen. Die GPS-Geräte werden erklärt und teilweise programmiert, dann beginnt die Schatzsuche.

Erlebnispädagogik; Kochen im Freien (Stefan Österle)
Wir hacken Holz, sägen, machen Feuer, schnippeln Gemüse (Warenkunde, Gespräch über Einkaufsverhalten, Bioware, lokale Erzeuger und Anbieter, vegetarische Ernährung)

Erlebnispädagogik; meine Welt auf einem Quadratmeter (Stefan Österle)
Jeweils zwei Teilnehmerinnen erhalten einen quadratischen Holzrahmen mit einem Meter Kantenlänge. Dieser Rahmen wird in der Natur installiert und als Welt bebaut, als Baumaterial dienen Erde, Äste, Steine, Pflanzen. Anschließend findet die Vernissage der „Weltausstellung“ statt, die Welten werden besichtigt, vorgestellt und kommentiert.

Philosophieren mit Kindern (Stefan Österle)
Das Bewegen in der Natur kann zu Gesprächen animieren, in denen über die Welt nachgedacht wird. Bei der Betrachtung der Landkarte kann über die Ausbreitung des Menschen in der Natur nachgedacht werden. Ein Friedhof oder eine tote Maus am Wegrand regt zum Gespräch über die Vergänglichkeit an; ein Blick in den blauen Himmel oder in den Sternenhimmel über die Unendlichkeit. Für viele Pflanzen und Insekten können Namen gefunden werden (Begriffsbildung in der Natur).

Nachtwanderung (Bernd Magenau)
Während der Nachtwanderung bleiben die Teilnehmer ca. fünf Minuten alleine im Wald und horchen in die Nacht. Eine Gruselgeschichte im alten Steinbruch schließt die Wanderung ab.

Kurzwanderung unter Berücksichtigung der Themen Naturerfahrung und BNE (Margit Elgner-Eisenmann). Während der Wanderung werden verschiedene spielerische Elemente eingebaut wie z.B. „Memory mit Blättern“, „Stillwanderung“, „Landart“, dadurch wird die Aufmerksamkeit geschärft und die Ergebnisse des Spiels können als Aufhänger für  weiterführende Diskussionen dienen. Das abschließende Anfertigen eines  Gemeinschaftskunstwerks aus bunten Blättern, Fliegenpilzen bizarren Wurzeln und vielfarbigen Flechten stärkt das Gruppenerlebnis.

Möglichkeiten einer Schulwanderung (Margit Elgner-Eisenmann, Stefan Österle)
Austausch von Ideen für Schulwanderungen zu verschiedenen Themen wie Naturräumen, Jahreszeiten, Märchen/Sagen/Geschichten, Gesetzmäßigkeiten in der Natur, regionalen Produkte und  vieles  andere mehr.

Wandern – Kulturlandschaft erleben und nachhaltige Entwicklung (Modul 2)

Teilnehmer am Seminar »Schützen durch Nützen« • Foto: Sabine Wächter

Modul 2 »Schützen durch nützen« am 6. Oktober im Trachtenmuseum Pfullingen

„Der Fortschritt ist eine Schnecke“, sagte Umweltexperte und Referent Thomas Haigis unlängst beim zweiten Teil der dreiteiligen Kursreihe „Wandern – Kulturlandschaft erleben und nachhaltige Entwicklung“ im Trachtenmuseum Pfullingen, zu welcher die Heimat- und Wanderakademie Baden-Württemberg im Schwäbischen Albverein eingeladen hatte. Die Veranstaltung stand ganz unter dem Motto „Schützen durch nützen“. Neben regionalen Akteuren und zwei Fachreferenten, war Regina Leicht als Vertreterin des Kooperationspartners Biosphärengebiet Schwäbische Alb mit von der Partie.
Wie passend das Zitat mit den Schnecken war, zeigte das von Rita Goller vorgestellte Geschäftsmodell „Albschneck“. Die Schneckenexpertin erläuterte den Seminarteilnehmern ihre Marktnische. Seit etwa zehn Jahren vermarktet Goller unter dem geschützten Namen „Albschneck“ ihre auf der Alb gezüchteten Weinbergschnecken. Die Schneckenzucht ist inzwischen auf ca. 50.000 Tiere angewachsen. Heimische Restaurants sind die Abnehmer. Zum Thema regionale Wertschöpfungsketten auf der Alb präsentierten neben der Schneckenzüchterin noch weitere Akteure ihre Vermarktungsprojekte und Produkte: Bärbel Stotz zeigte Einblicke in die Schafhaltung auf dem Truppenübungsplatz Münsingen mit Vermarktung von Fleisch und Wolle. Lutz Mammel erklärte die Vorzüge des Anbaus von Linsen unter dem Label „Alb-Leisa“ und Johann Spitzer stellte das auf Heimatverbundenheit ausgelegte Konzept der Hirschbrauerei Böhringer Biere vor.

Insgesamt hatten sich 20 Teilnehmer trotz des schönen Herbstwetters eingefunden, um sich dem Thema „Konsumverhalten und Ressourcenverbrauch“ zu widmen, darüber zu diskutieren und sich kritischen Selbsttests zu unterziehen.
Regionalgeschäftsführerin des BUND Neckar-Alb Barbara Lupp erklärte in ihrem Vortrag, dass die Biosphäre ein begrenztes System sei, dessen Kapazitäten in den letzten Jahrzehnten massiv überschritten worden seien. Sie forderte die Teilnehmer auf, den eigenen ökologischen Fußabdruck (www.footprint-deutschland.de) zu bestimmen. Dieser errechnet sich aus den individuell verbrauchten Ressourcen und zeigt auf, wie viel Fläche dafür benötigt wird. Während es bei einem Inder nur etwa 0,9 Hektar pro Person sind, liegt der Wert beim Durchschnittsdeutschen bei fünf und beim Amerikaner sogar bei 9,6 Hektar. „Wenn alle Menschen so leben würden, wären fünf Erden notwendig“, weiß Lupp. Ökologisch vertretbar seien nur 1,8 Hektar. Der Verbraucher könne zwar durch Einkaufen von Lebensmitteln, Kleidung, usw. und bei der Auswahl der Verkehrsmittel Einfluss auf das globale Ganze nehmen. Doch die Bedingungen in einer wirtschaftsdominierten Gesellschaft machten das nicht immer einfach. In diesem Zusammenhang verwies sie auf die so genannte „Geplante Obsoleszenz“, wonach Hersteller absichtlich Sollbruchstellen in ihre Produkte einbauten, um die Nachfrage anzuregen. Zum Beispiel bei bestimmten Druckern oder anderen elektronischen Geräten.

Werner Korn vom VCD ging in seinem Vortrag vor allem auf die Auswirkungen des Individual- und Güterverkehrs auf das Klima ein. „Größter Emittent für Kohlendioxid in Baden-Württemberg ist der Verkehr“, so Korn. Vor allem beim Güterverkehr sei in den letzten 20 Jahren ein enormer Zuwachs zu verzeichnen. Die stärksten Wachstumsraten aber gebe es beim Flugverkehr, welcher paradoxerweise vollkommen von den ökologischen Folgekosten befreit sei. Er sieht neben dem Einsatz energieeffizienterer Fahrzeuge und der Verlagerung des Güterverkehrs weg von der Straße vor allem in der Verkehrsvermeidung ein probates Mittel, den Klimaschutz voranzutreiben. In dieser Hinsicht sei der Schwäbische Albverein vorbildlich, denn: „Wandern ist die Mutter der sanften Mobilität“, betonte Korn.