Karin Kunz ist seit vielen Jahren Wanderreferentin beim Schwäbischen Albverein. Bei der Heimat- und Wanderakademie vertritt sie den Verein in der Geschäftsführung. Im Gespräch berichtet sie über die Entwicklung der Heimat- und Wanderakademie (HWA) und warum sie die Zusammenarbeit mit dem Schwarzwaldverein als so wertvoll einschätzt.

Frau Kunz, Sie begleiten die Heimat- und Wanderakademie fast von Anfang an. Was war der entscheidende Impuls zur Gründung der HWA?
Karin Kunz: Anfangs ging es vor allem darum, einen einheitlichen Standard bei der Wanderführerausbildung zwischen Schwarzwaldverein und Albverein zu schaffen. Eine Professionalisierung war hier das Ziel. Heute sind wir viel breiter aufgestellt. Wir haben Themen wie Erlebnispädagogik, Kommunikation und Bildung für nachhaltige Entwicklung integriert. Ich sage immer: Eine gute Wanderführerin oder ein guter Wanderführer ist wie ein Schlüssel. Sie öffnen Türen zu Landschaften, Geschichten und Gemeinschaften. Und offenbar kommt das auch an. Wir haben seit 2001 über 3.200 zertifizierte DWV-Wanderführer*innen ausgebildet.
Nirgendwo arbeiten Albverein und Schwarzwaldverein so eng zusammen wie in der HWA. Warum ist diese Partnerschaft so wichtig?
Kunz: Es war in der Tat ein Glücksfall, dass beide Vereine erkannt haben, dass Konkurrenz keinen Sinn macht, wenn es um Qualität beim Wandern geht. Gemeinsam können wir ein viel breiteres Spektrum an Themen abbilden – und das kommt unseren Teilnehmenden zu Gute. Durch den gemeinsamen Rahmenplan sind alle Wanderführerinnen und Wanderführer im Land auf dem gleichen hohen Niveau. Das stärkt das Ansehen des organisierten Wanderns enorm.
Welche Bedeutung hat die Akademie konkret für das Vereinsleben vor Ort?
Kunz: Eine sehr wichtige. Unsere Absolventinnen und Absolventen nehmen ihr neues Wissen zurück in ihre Ortsgruppen. Sie planen neue Touren und begeistern Mitglieder wie Nicht-Mitglieder. Oft sind es die frisch gebackenen Wanderführerinnen und Wanderführer, die mit frischen Ideen neue Zielgruppen ansprechen, etwa im Ü30-Bereich oder bei Themenwanderungen. Sie sorgen dafür, dass Wandern nicht als verstaubt gilt, sondern als attraktive Freizeitgestaltung. Viele übernehmen zusätzlich weitere Ämter in den Ortsgruppen oder im Gesamtverein. Generell stärkt die Akademie den Zusammenhalt in den Vereinen.
Was wünschen Sie der Akademie für die nächsten 25 Jahre?
Kunz: Ich wünsche uns, dass wir die Balance halten zwischen Tradition und Innovation. Wir müssen offen bleiben für Veränderungen, aber unsere bewährten Werte nicht vergessen. Mein größter Wunsch ist, dass wir auch weiterhin die tollsten Referentinnen, Referenten und Kursteilnehmenden haben, die es gibt – Menschen, die mit Herzblut dabei sind. Denn am Ende sind sie es, die die Akademie ausmachen.
